Klatsch und Tratsch

Pündericher Briefe Teil 15

Willi Hess auf Urlaub schreibt seinem Freund Ludwig Mentges z.Zt. beim Reichsarbeitsdienst ( R.A.D) in Hermeskeil; beide Jahrgang 1925. Die Rechtschreibung des Briefes ist weitestgehend original belassen.
Pünderich, den 2. II. 1943

Lieber Ludwig !

Wieder glücklich aus dem
3wöchigen „Trilllehrgang“ zurückgekehrt, sende ich
Dir die ersten Grüße. Bei Euch wird es wohl hoch
hergehen, das glaube ich Dir gern. Uns freiwillig [* Anm.]
zu melden bekamen wir auch von morgens bis
abends an den Kopf geworfen. Auf „intransigente“
Tricks sind bei uns viele hereingefallen, aber
das Auge eines Diplomaten ist solchen Streichen
gewachsen. – Was sind wir so oft auf dem
Bauch in dem dicken Matsch herumgekrochen
oder mussten im Infantriegalopp durch den
Hof hüpfen. Aber es ging alles vorüber. So bin
ich denn am Samstagmittag um 4 Uhr mit der
Bimmel hier angekrochen. Der Hans kam am
Sonntag um halb 9 Uhr. Heute abend haben
wir H.J.-Dienst; ich bekam eine extra Einladung.
Der Bannführer soll kommen. Meinetwegen kann
er gleich mit Formularen kommen. Wir werden
das Kind schon richtig schaukeln. Gestern abend
10 nach 8 – zwanzig vor zehn war es wunderbar.
Du kannst Dir ja denken. Ich muss noch so oft
an den Sonntagabend bzw. Montagmorgen

[ Seite 2 ]

zurückdenken. Ich konnte es ja eigentlich
Deiner Mutter gegenüber nicht verantworten.
Aber ich kann nichts dran machen. So voll-
kommen möchte ich auch mal sein, wie . . . .
Das habe ich gestern abend bestätigt
gefunden. Bei mir ist es ja ähnlich so.
Ich weiß ja nicht, wie Du darüber denkst,
Du hast ja nichts davon, das weiß ich auch.
Aber das ist nun einmal so im Leben.
Hoffentlich kannst Du recht bald mal in
Urlaub kommen. So einen schicken Arbeits-
mann möchte ich doch gerne mal sehen.
Eines Tages wird das schon so sein. Man
muss immer optimistisch sein; oder meinst
Du, Ihr würdet schon in Kürze nach Frankreich
abgestellt? Hoffen wir immer das beste.
Ihr habt sicher von morgens früh bis abends
spät Dienst. Davon musste ich ja auch
3 Wochen Gebrauch machen. Aber ewig wird das
ja nicht mehr dauern. – Morgen muss ich
auch wieder zur Schule, aber das ist immer
noch besser, wie R.A.D. oder Kommis.
Zum Schluss, lb. Ludwig, wünsche ich Dir alles
Gute und eine glückliche Heimkehr!
Für heute grüßt Dich Dein Freund Willi
H.D.

– Bemerkung am Briefrand:
Kennst Du den Briefumschlag noch ?

– [Anm. *] Uns freiwillig zur SS zu melden …….;
Ludwig und Willi wollen nicht zur SS !

In bestimmten Abständen werden diese Briefe von Pünderichern veröffentlicht, die das Leben und die Geschehnisse unseres Dorfes in der Vergangenheit zum Inhalt haben. Wir möchten Euch Interessantes über unsere eigene Vergangenheit bieten und gleichzeitig weitere Mitbürger dazu anregen, mit eigenen Beiträgen die Serie zu bereichern und um ihr Kontinuität zu verleihen.

Gleichzeitig bietet sich für uns alle dadurch die Gelegenheit, Wissen und Dokumente, die vielleicht in der nächsten Generation mangels Interesse und Schwerlesbarkeit nicht aufbewahrt werden, für unsere Nachwelt und Ortsgeschichte zu erhalten. Die Briefe werden auf den Seiten der Dorfchronik gesammelt. Wer eigene Beiträge zur Verfügung stellen möchte, wende sich bitte an:

Paul Ludwig Mertes,
Tel.: 0 65 42 – 2 20 10
[Zur Darstellung dieser E-Mail-Adresse aktivieren Sie bitte Javascript (Spamschutz)]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.