Klatsch und Tratsch

Pündericher Briefe Teil 14

Herrmann Klaes schreibt an seinen Bruder Ludwig, der sich in englischer Gefangenschaft befindet. Die Rechtschreibung des Briefes ist weitestgehend original belassen. Möchten Sie diesen Brief ausdrucken, nutzen Sie bitte das PDF
Pünderich 8. Juni 47

Lieber Ludwig !

Schon einige Wochen wollte ich Dir schreiben, aber Mutter wollte Dir
nicht auf einmal die traurige Nachricht von Vaters Tod mitteilen, sondern
Dich zuerst ein wenig darauf vorbereiten. Dass Dich dieses in der Gefangenschaft
besonders schwer trifft, kann ich allzu gut verstehen, denn solange
man in Gef. noch gute Nachricht von zuhause bekommt, ist es bei einiger-
maßen guter Verpflegung auszuhalten. Sobald aber eine Todesnachricht von
den n. Angehörigen eintrifft, glaubt man verrückt zu werden. Aber alles
Grübeln u. Nachdenken ändert nichts an dem Geschehenen, Kopf hoch, damit
Du gesund heimkommst u. Mutter unterstützen kannst. Es ist bestimmt ein
trauriger Fall, so schnell sein Leben hergeben zu müssen, aber wir kommen
alle mal an die Reihe.
Die n. Tage wird noch einmal ein Gesuch an eine bestimmte Stelle abgehen,
bisher soll wirklich überall Erfolg zu verzeichnen sein, vielleicht klappt
es auch bei Dir. Gestern ist Willi Hess gekommen, habe ihn selbst noch nicht
gesehen. Am Mittwoch kam Walter Wirtz aus Frankreich zurück. Dass Karl Ment-
ges heim kam, hat Dir Mutter schon paarmal geschrieben?
Hier herrscht Hochbetrieb in der Arbeit, morgen werde ich fertig mit Spritzen.
Paul u. Maria waren schnell fertig damit. Jetzt warten wir auf gutes Wetter,
das uns seit Tagen verlassen hat, 1. wollen wir Heu machen u. 2. hat
die Traubenblüte in den guten Lagen begonnen. Bei der tollen Doppelsommer-
zeit ginge der Bauer mit der Zeit kaputt, aber G.s. Dank kommt in drei Wochen
wieder die Sommerzeit, was bedeutend günstiger ist.

Die Jungens müssen schon viel in der Arbeit mithelfen, Herrmann hilft sogar schon
spritzten, wenn er mittags frei hat u. ein Tag hatte er Urlaub. Luzi
ist schon ein prächtiges Kindermädchen, klein Goldfischchen wird gut von
der Schwester versorgt. Agnes ist ein liebes Ding u. auch Paul-Ludwig ist sehr munter u.
besonders kräftig, ich glaube er bekommt Brockmanns.[1]
Sonst nicht viel Neues, Kinder gab es d. Jhs. schon reichlich hier, Paul
Schneiders hat Zwillinge u. jetzt drei Jungen, Karl Burg hat vor einigen Tagen
anstatt des erhofften Jungen sein 3. Mädel bekommen.
Will heute am Montagabend den Brief beenden, da ich gestern abend von
Edm. Schmitz u. Karl Arns abgeholt wurde, um noch eine Fl. Wein zu trinken.
Dir baldige, gesunde Heimkehr wünschend, verbleibe ich mit herzlichen

Grüßen

Dein Bruder Herrmann
u. Familie

Herzlichen Gruß Deine Schwägerin Maria
Lieber Pätter!
Gruß sendet Dir Dein Luzilein.
Es grüßt Dich Dein Herbert. Herzlichen Gruß
sendet Dir Dein Herrmann Josef.


[1] Brockmanns wurde dem Viehfutter beigemischt. Es sollte die Mineralienversorgung
ergänzen und zu kräftigen, gesunden Tieren führen.
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