Klatsch und Tratsch

Pündericher Briefe Teil 11

Maria Mentges (später M. Mertes) schreibt ihrem in Idar Oberstein in der Militärausbildung befindlichen Bruder über Geschehnisse in Pünderich im März 1944.
Die Rechtschreibung des Briefes ist weitestgehend original belassen.

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29.März 1944

Lieber Ludwig !

Hallo Ludwig

Will Dir mal schreiben, wie die Fahrt verlief; von Idar 7.40 Eilzug, in Bingerbrück um 8.45 und da stand ein Personen-
zug nach Koblenz, der fuhr 9.07, es war eine herrliche Fahrt am Rhein entlang. Von den Bergen grüßten die Burgen Katz und Maus, die feindlichen Brüder,und dann der mächtige Loreleyfelsen. ¼ vor 11 Uhr war ich in Koblenz, hatte da Aufenthalt bis 12.25. Eilzug, der ging nach Bullay und [der] Voralarm war aber nicht schlimm, konnte auf dem Bahnhof bleiben. In der Zeit waren 2 gestorben und Hillesheim Hans ist vermißt, vom Feindflug nicht zurück gekommen. Hatte seine Sachen schon gepackt, denn wenn für ihn Ersatz da wäre, dürfte er sofort in Urlaub fahren. Ganz überraschend kam gestern Morgen Busch Aloys in Urlaub. Er war so drahtig wie ein alter Frontsoldat, er kam ja auch aus dem Schützengraben. Als er sich ins Haus gemacht hatte, um ½ 7 brüllte er durchs ganze Haus, „alles aufstehen“ und sie wußten, was los war. Und als sie sagen, „wie hast Du Dir den Urlaub verschafft“, „o, ganz einfach, in jeder freien Minute bin ich auf die Schreibstube gegangen, jeden Tag, und habe immer gesagt, meinen Urlaub habe ich noch nicht gehabt. Seit ich Soldat bin, war ich noch nicht zuhause, alle hatten Abstellungsurlaub, nur ich nicht. Und endlich hats geklappt, Richtung Heimat“. Als sie nun fragen, wie es ihm ginge, „o, jetzt gut, aber in Rußland da ist es nicht schön, da schießen sie sogar nach Menschen, da kann man nicht [wissen] ob sie mich nicht auch einmal aufs Korn holen“. Feiden Ludwig ist jetzt um 8 Uhr weg. Er ließ noch zum Schluß seinen Eulenruf erschallen, es vergeht ihm auch bald. Nun ist das Dorf aber geräumt, keine Jugend mehr zu finden. Hier sieht es ganz toll aus. 2 Mann marschieren auf der Landstraße über die Felder und denken, sie finden die entlaufenen Engländer. Und gestern zogen den ganzen Nachmittag feindliche Flieger [und] kreisen am Himmel. Käthe habe ich getroffen und gefragt, wie es in Koblenz war, denn sie hat bißchen einen aufgesprungenen Mund. Sie sagte gleich, „es ist nicht, wie du meinst, ich konnte mit dem Helmut nichts reden, seine Mutter ließ uns nicht eine Minute allein. Aber der Helmut war froh, daß ich dabei war, ich ließ ihm den schönen Glauben“. Deine Grüße habe ich bestellt, die gibt sie an die Vera weiter. Vielleicht treffe ich auch die Vera selbst. Heute gehe ich mit Herrmann in den Vogelsang schneiden. Dafür gibt es Butter. Ich muß Schluß machen, Ludwig. Will heute Morgen schon in den Weinberg, es geht alles im Tempo Tempo. Ich bin richtig froh, daß ich am Sonntag nach Idar kam. Wir drücken mal den Daumen, da gibt es vielleicht auch für Dich Urlaub. Bleib gesund und munter und behalte Deinen frohen Mut.

Es grüßt Dich recht herzl. Deine Schwester Maria.
Es ging in Eile.

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