Pinaricher Pont

Von der Pinaricher Pont und seinen Fährmännern

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gab es nur zwei Steinbrücken über die Mosel, die Balduinbrücke in Koblenz und die alte Römerbrücke in Trier. Nachen und Ponten vermittelten an den anderen Orten den Verkehr zwischen beiden Ufern und brachten insbesondere die Winzer zur Arbeit zu den Weinbergen auf dem jenseitigen Flußufer. Auch nachdem eine ganze Reihe von Brücken mit ihren steinernen und stählernen Bögen den Strom überspannen, sind Fähre und deren Fährmänner für einige Orte immer noch von großer Bedeutung.

Jedes Dorf hatte sein Fährboot. Je nachdem wurde es Fähre, Fahr oder Pont genannt. Der Fährmann hieß wie heute noch „Ferger“ und ist ein wichtiger Mann, denn er muss zu allen Stunden des Tages (früher auch Nachts) bereit sein, Menschen und Menschenschicksal herüber und hinüber zu geleiten, Tiere und so mancherlei Dinge. Nur das ganze hohe Wasser und das winterliche Eis geben ihm hier und da Ferien.

Vom Hochseil zum Motor

Früher als die Fähre noch am Hochseil hing, war das Hantieren auf der Fähre nicht immer gefahrlos. Der Fährmann musste Werkzeug bei sich haben, um im Falle der Not die Pont oder den Nachen von dem Drahttseil zu befreien, mit dem er oben mit einer Rolle Rädchen des schweren Eisenseiles hing, welches über den Fluss gespannt war. Und wer meint, das Überfahren sei nur eine Spielerei gewesen, der irrt sich. Das Spannen des Seiles musste akkurat von statten gehen.

Vor allen Dingen gehörte früher Seelenruhe zu dem Geschäft. Die Leute, die zu allen Stunden des Tages und ggf. der Nacht von der anderen Seite her ihr „Fährmann!“ oder „Ferger!“ oder „Holüber!“ riefen, meinten natürlich immer, sie seien ganz alleine auf der Welt, der Fährmann warte nur auf sie und brauche niemals zu essen und zu schlafen und noch einiges andere mehr. An dieser Meinung hat sich bis heute nichts geändert! Deshalb rufen sie heute noch voller Ungeduld. Ein richtiger, seelenruhiger Fährmann kennt seine Pappenheimer und nimmt die Sache nicht so tragisch. Er hält sich an den alten Spruch: „En langsame Fercher on en flotte Pastur gren de meist Leit (Leute) sesomme“.

Während es früher bei der Überfahrt gemächlich zu ging, kann heute keine Fähre ohne entsprechender Motorkraft die Mosel überqueren. Durch die Moselkanalisierung zum Beginn der sechziger Jahre war es erforderlich geworden, die Fähren mit Motoren aus zu statten. Die ehemalige Gierfähre wurde eine Motorfähre mit eigener Anschubs-Kraft. Trödeln war wegen des Schifffahrtsaufkommen nicht mehr drin. Nachdem der 1907 gebaute Pündericher Fährmasten in die Jahre gekommen war, und dem TÜV 1974 zum Opfer gefallen ist, wurde die Pündericher Fähre mit zwei Motoren ausgestattet und ist als „Freifahrende Fähre“ eingesetzt.

Das Fährwesen in Pünderich

Jedoch noch einige geschichtliche Worte über das Fährwesen in Pünderich. Bereits im Jahre 1879 bekam Pünderich die erste Ponte (Fähre) aus Holz mit Schleuder (Fährmast). Hierzu verwandte man den stärksten Stamm aus dem Sternenwald. Dauerhaft war die Ponte allerdings nicht, denn schon 1896 wurde sie von der Strompolizei verworfen. Dann wurde eine Eisenponte beschafft, worüber sich die Bevölkerung nicht wenig wunderte, da sie nicht zu erklären vermochten, wie eine solche Ponte aus Eisen schwimmen konnte.

Wurde die Pündericher Fähre im I. Weltkrieg noch verschont, so hatte sie in den Kriegsjahren des II. Weltkriegs ein gewisses Schicksal zu erleiden. Durch den Eisgang am 03. Febr. 1940 wurde der eiserne Fährmast vom Eis umgedrückt und zerfiel in 3 Teile. Das Spannseil über die Mosel war ebenfalls in Stücke zerrissen. Die Fähre wurde von den Eismassen unterhalb des Fährhauses gedrückt. Gott sei Dank ohne größeren Schaden. Bedingt durch die Zerstörung der Bullayer Brücke 1945 beschlagnahmte die hiesige Deutsche Einsatzleitung unsere Fähre um zwischen Bullay und Alf einen Pendelverkehr einzurichten. Dort wurde sie in den Märztagen 1945, als die Amerikaner anrückten, versenkt. Der Fährmast ist damals von deutschen Truppen gesprengt worden.

Die im Jahre 1945 in Bullay gehobene Pündericher Fähre wurde von der Fa. Hermann Burger, Pünderich, repariert. Mit der gesamten Pündericher Männerwelt wurde sie nach Pünderich gezogen. Auf Veranlassung der Militärregierung wurde sie nach Reil geholt und die Reiler Fähre wurde nach Bullay gebracht. Pünderich bekam abwechselnd die Ponten von Briedel und zuletzt von Merl. In der Nacht zum 1. Mai 1947 brachten die Merler Bürger die Bullayer Ponte nach Pünderich und tauschten dieselbe gegen die Merler Ponte aus. Dieser Streich der Merler in der sogenannten Hexennacht hatte wenigstens ein Gutes. Die Pündericher bekamen ihre Ponte zurück. Später wurde die Ponte von der Gemeinde Briedern gekauft und sie hat viele Jahre ihren Dienst getan.

1972 beschaffte sich die Gemeinde Pünderich eine neue gebrauchte Fähre aus Brodenbach zum Preise von 11.500 DM. Diese brauchte kein Hochseil mehr und ist seit dem als freifahrende Fähre bei uns eingesetzt. Durch einige größere Umbauten ist sie verbreitet und mit stärkeren Motoren ausgestattet worden. Die einstige alte Gierfähre fristet heute ihr Dasein als Bootshaus am Merler Moselufer.

Die Kosten für den Fährbetrieb waren und sind schon immer ein dicker Brocken im Gemeindehaushalt gewesen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts mussten die „Ferger“ eine Pacht an die Gemeinde zahlen, wobei sie die Nachen u.s.w. selber stellen mussten. Der nachstehende Vertrag, das Ferger Bedingsniß von 1808, zeigt uns die Bedingungen der damaligen Zeit an den Fährmann.
Jedoch schon 1920 zahlte die Gemeinde Pünderich dem Fährmann Caspar Dahm einen Zuschuss in Höhe von 4.000,– Mark. Ab dem Jahre 1964 wurden dann die Fährmänner von der Gemeinde Pünderich angestellt und auch entlohnt.

Ferger Bedingniß von 1808
Pünderich, den 6. Dezember 1808

Haben sämtliche Einwohner, weil sie alle ihre Weinberge über der Mosel haben und viele nicht im Stande sind, sich eigenes Fahrzeug anzuschaffen, sich einen Ferger (Fährmann) gedungen, der sie von Martini 1809 an biß der nämliche Tag 1815, also sechs nacheinander folgende Jahr, über- und rückfahren solle auf folgende Bedingniße, nämlich:

  1. Der Ferger ist gehalten einen ein Fuder Wein tragenden Fahrnachen immer bereit, und standhaft darzustellen, und zu unterhalten.
  2. Er muß jeden Bürger, und dessen eigenes Vieh, täglich von Sonnenauf- biß Niedergang, von Beth –zu Bethglock frei ohne Zahlung fahren.
  3. Der Ferger stellt einen Zwei Fuder Wein tragenden Nachen zum Mistfahren, mit einer tauglichen Lein, zum Dungfahren zwar so, daß er selben Nachen jedem Bürger der reihe nach, wie sie sich melden werden, täglich mit der Lein, per Tag für sieben Albus leihen müsse.
  4. Von einem Fuder Wein bis Pfader Weg zu fahren, erhält er achtzehn Albus.
  5. Fremde fahrt er, wie gewöhnlich, bey gewöhnlichem Wasser um ½ und, bey außerordentlichem, wenn nämlich die Mosel über die Pforten Stein bis ans Ufer steht für ein und, wenn sie im Dorf oder biß im Wasser, wird er mehr, und nach den Umständen billig fordern.
  6. Der Ferger ist von seinen Lasten und Frohnden frei, außer wenn die Gemeind über die Mosel frohndet und er alsdann dieselbe überfahren muß.
  7. Der Ferger erhebt und bekommt jährlich zu Herbstzeit von jedem Bürger ein Sester Most, von den Beisaßen die Halbscheid.
  8. Der Ferger ist gehalten jedes Jahr zu Herbstzeit mit dem großen zwei Fuder Wein tragenden Nachen, die in den Weinberg gehenden, und mit Lasten kommenden zu fahren, damit alle Gefahr verhindert werde.
  9. Muß dem Ferger jährlich zu Martini Tag jeder Bürger für ein Albus, oder sechs Centim Wein abgeben.
  10. Zur Erfüllung der Bedingniße stellt der Ferger Bürgschaft. Ist auf die vorstehende Bedingniß verpachtet an Johann Dahm und zahlt dieser annebst jährlich an die Gemeind achtzehn Reichsthaler.
Johannes Dahm, als Prior
Nachsatz: Ist der Pachtpreiß auf Sieben Reichsthaler jährlich herabgesetzt.
Olbermann
Den 3. April 1812 sind für 2 Jahr 14 Reichsthaler zahlt worden.
Olbermann
Den 10. März 1814 sind wieder 14 Reichsthaler zahlt und verrechnet worden.
Olbermann
Pündericher Fährmänner
1802-1808
Johann Frantzen
1809-1815
Johann Dahm
bis 1921
Caspar Dahm (Genannt „däh ahle Schweich“)
1921 bis 1942
Anton Loosen sen., von Merl zugezogen (+24.09.1945)
1942 bis 1943
Josef Fischer aus Briedel
1943 bis 1944
Josef Lay
1944 bis 1945
Greveldinger (war aus dem Ruhrgebiet evakuiert)
1945 bis 1964
Anton Loosen jun. (+11.02.2003)
1964 bis 1982
Robert Schneiders (+ 22.04.1984)
1982 bis 1996
Wilhelm Filzen (gleichzeitig Gemeindearbeiter)
1996 bis beute
Hans-Peter Busch (Fährpatent seit 1985, gleichzeitig auch Gemeindearbeiter)
2003 bis 2010
Alexander Schneiders
2011 bis 2018
Dieter Schwaab
2012 bis heute
Wichit Kölzer